travnicek und der euro   

      

    FREUND: Sagen Sie, Travnicek, freuen Sie sich schon auf den Euro?

    TRAVNICEK: Euro- was?

    FREUND: Nicht Euro-was, auf den Euro, unsere künftige europäische Währung.

    TRAVNICEK: Was passiert ‘leicht mit dem Schilling?

    FREUND: Der Schilling wird mit 1.1.2002 abgeschafft.

    TRAVNICEK: Dann muss i ja mei ganzes Geld no am Schädel haun, bevor's abgschafft wird!

    FREUND: Aber nein, Travnicek, selbstverständlich werden Ihre Schillinge von den Geldinstituten auf Euro gewechselt.

    TRAVNICEK: Und wer zahlt die Wechselspesen?

    FREUND: Es gibt selbstverständlich keine Spesen, denn der Euro wird ja den Schilling ersetzen.

    TRAVNICEK: Dann könnt' i doch genauso auf meine Hunderter überall wo ‘Schilling’ steht, mit’n Filzstift ‘Euro’ drüberschreiben, dann brauch i gar ned wechseln gehn.

    FREUND: Aber nein, 100 Euro sind ja wesentlich mehr wert als 100 Schilling.

    TRAVNICEK: Umso besser.

    FREUND: Aber das wäre natürlich illegal. Sie müssen jeden 100 Schilling-Schein gegen 7.27 Euro tauschen.

    TRAVNICEK: Gengans, wie schaut'n des aus, a Schein wo draufsteht: ‘7.27 Euro’.

    FREUND: Aber Travnicek, auf den Scheinen steht natürlich 10, 20, 50 oder auch 100 Euro.

    TRAVNICEK: Zum Ankreuzen?

    FREUND: Sie wollen mich wieder einmal nicht verstehen, Travnicek. Auf ein und demselben Schein steht freilich nur... zum Beispiel: '100 Euro’.

    TRAVNICEK: Dann gibts also doch Hunderter, so wie jetzt.

    FREUND: Ja, aber die sind dann cirka 1376 Schilling wert, also mehr als 13mal soviel.

    TRAVNICEK: Hoffentlich hab i meine Schulden bei mein' Wirten bezahlt, bevor sie sich verdreizehnfachen...

    FREUND: Nein, die Schulden werden dann im Gegenzug auf ein 13tel ihres Wertes umgerechnet.

    TRAVNICEK: Dann schreib i bis 2002 nur mehr an.

    FREUND: Aber nein, Sie müssen sie ja dann in Euro bezahlen, insofern verändert sich überhaupt nichts!

    TRAVNICEK: Uns was ändert sich dann eigentlich?

    FREUND: Na, Sie können wahllos in Europa herumfahren und überall in ihrer Währung bezahlen.

    TRAVNICEK: Also in Schilling.

    FREUND: Nein - in Euro, ab 2002 eben.

    TRAVNICEK: Und die Italiener geben mir dann wirklich Lire für meine Euro?

    FREUND: Nein, die Lira wird 2002 ebenfalls abgeschafft.

    TRAVNICEK: Womit bezahln dann die Italiener?

    FREUND: Na, auch mit Euro.

    TRAVNICEK: I muss also meine österreichischen Euro auf italienische Euro wechseln?

    FREUND: Eben nicht, Travnicek! Es gibt dann keinen Unterschied zwischen österreichischen und italienischen Euro, nur mehr... europäische Euro.

    TRAVNICEK: Wovon leben die Banken dann, wenn’s kane Wechselspesen mehr kassieren können?

    FREUND: Sie wechseln ja nach wie vor auf die aussereuropäischen Währungen, den Dollar zum Beispiel.

    TRAVNICEK: Und wieviel Dollar krieg' i für so an Euro?

    FREUND: Also ursprünglich waren es um die 1.11, mittlerweile sind es nur mehr beinahe 1.

    TRAVNICEK: Des is eh' viel leichter zum Umrechnen.

    FREUND: Allerdings bedeutet das, dass der Euro deutlich an Wert verloren hat.

    TRAVNICEK: Also nur mehr 12 Schilling?

    FREUND: Nein, Travnicek, der Schilling hat ja auch an Wert verloren.

    TRAVNICEK: Und der Lire?

    FREUND: Ebenfalls, alle europäischen Währungen haben an Wert verloren.

    TRAVNICEK: Also gut für meine Schulden.

    FREUND: Nein - es sei denn, Sie begleichen sie in Dollar.

    TRAVNICEK: I hab aber keine Dollar.

    FREUND: Die hätten Sie eben vor Jahren kaufen müssen, dann wären sie mittlerweile stark im Wert gestiegen und Sie hätten hohe Gewinne erzielt.

    TRAVNICEK: Des hättens mir ned vor a paar Jahren sagen können?

    FREUND: Das war damals nicht vorhersehbar, dass unsere Währung fällt und der Dollar steigt.

    TRAVNICEK: I wass ned, i wass ned, Sie reden wie a Teamchef nach a 0:9. Wann ich mir den amerikanischen Präsidenten anschau, und dann unseren, dann is sofort klar, dass der Dollar steigt und unsere Währung verliert.

    FREUND: Das, Travnicek, müssen Sie mir jetzt erklären.

    TRAVNICEK: Also schaun Se: der Klestil lasst sich scheiden, heiratet sei Sekretärin und verliert dadurch an Popularität. Der Clinton schlaft mit seiner Sekretärin, bleibt verheiratet und gewinnt an Popularität. Ein Genie.

    FREUND: Das ist allerdings wahr, Travnicek. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass Sie sich in bälde angewöhnen werden müssen, sowohl Ihre Ersparnisse, als auch Ihre Schulden in Euro zu berechnen, anstatt in Schilling.

    TRAVNICEK: Soll i mir vielleicht daham kleine Häuferln von 13 Schilling und 76 Groschen machen?

    FREUND: Nein, Travnicek, es reicht, wenn Sie beim Einkaufen auch aufmerksam die Preise in Euro studieren.

    TRAVNICEK: Zahl i dann den Normalpreis oder a Dreizehntel?

    FREUND: Natürlich den Normalpreis, aber Sie entwickeln mit der Zeit ein Gefühl für den Euro.

    TRAVNICEK: Ich habe aber schon längst ein Gefühl für den Euro entwickelt.

    FREUND: Tatsächlich? Welches denn?

    TRAVNICEK: Mir is schlecht.

     

    Ó 1999 by hw