|
(kurzes) Vorwort: Um gleich zur
Sache zu kommen: Meiner Meinung nach lassen sich zwei Arten von
Schüttelreimen unterscheiden:
1. gute Schüttelreime
2. schlechte Schüttelreime
Wie sie vermutlich bereits ahnen, hätte ich diese
Unterscheidung nicht getroffen, wenn ich nicht vorhätte, die Merkmale
der beiden Arten gegenüberzustellen, was ich nun auch ohne Umschweife
tun werde.
ad 1. gute Schüttelreime
Ein guter Schüttelreim kann aus vier verschiedenen
Gründen gut sein:
a) er ist lustig.
Nun gibt es (zum Glück) im deutschsprachigen Raum
keine einheitliche Meinung darüber, was lustig ist; darum will ich noch
etwas konkreter werden und formuliere als neuen
lit.a): er ist wirklich lustig.
Dazu ließe sich zwar ebenso ein entsprechender Einwand
formulieren, aber um die Sache ein wenig abzukürzen, werde ich ein
(hoffentlich überzeugendes) Beispiel bringen:
"Der einst die Hottentotten schor
ist heut Friseur am Schottentor."
(Franz Mittler)
Sollten sie diesen Schüttelreim nicht wirklich
lustig finden, dann befinden sie sich offensichtlich auf der falschen
Website, und ich würde ihnen empfehlen, stattdessen es nach Möglichkeit
in einem der folgenden Werke zu schmökern:
Ess, Ernst: Humor ist Trumpf. Heitere Vorträge für
bunte Abende. o.J. 107 S., Noten. 20,5 cm. Kartoniert. 161gr. ISBN:
3-8069-0082-5
Moser, Jürg; Senn, Martin: Schweiz heiter betrachtet.
Der fröhliche Reiseführer für alle, die bei den Kindern Tells und
Helvetias den Humor suchen. Tomus fröhliche Reiseführer. 2. Aufl. 1992.
94 S. m. zahlr. Zeichn. 21 cm. Gebunden. 362gr. ISBN: 3-8231-0536-1
Weiß-blau und heiter: Das große Buch vom bairischen
Humor. Hrsg. v. Ludwig Hollweck. 11. Aufl. 1991. 310 S. m. Illustr. 23,5
cm. Gebunden. 597gr. ISBN: 3-88034-004-8
b) er ist das Produkt harter Arbeit und eisernen
Durchhaltevermögens ("schwierig"). Darunter verstehe ich, daß wesentlich
mehr Mühe investiert werden mußte als beispielsweise bei der Schüttelung
von "Hesse-Frauen" oder "Schote reiße". (Oder fällt ihnen spontan ein
Schüttelreim zu "Alsergrund" ein?)
c) es handelt sich um einen Vierfachen Schüttelreim
(in diesem Dokument mit * gekennzeichnet). Zur Erklärung: bei einem
Vierfachen Schüttelreim werden nicht nur zwei oder mehrere Konsonanten
geschüttelt, sondern auch noch die Vokale - und von diesen neuen Wörtern
abermals die Konsonanten. Ein Beispiel:
pure Faß / Fuhre paß / bare Fuß / fahre Bus
Aus einerseits der Seltenheit dieser Quartette und
andererseits des deutlich erhöhten Aufwandes, daraus eine Geschichte zu
entwickeln, ergibt sich folgender mildernder Umstand: ein Vierfacher
Schüttelreim muß nicht wirklich lustig sein, um gut zu sein - ja, er muß
nicht einmal lustig sein - es genügt, daß es eben ein Vierfacher ist.d)
man hat ihn selbst gemacht
Testen sie sich ruhig, nehmen sie sich 10 Minuten
Zeit, schütteln sie irgendein zusammengesetztes Hauptwort, machen
sie irgendeine Geschichte daraus – sie werden enorm stolz darauf
sein und ihn bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit ihrem
Freund/Ehepartner/Geliebten/ Nachbarn/Klavierlehrer/Barkeeper oder
Friseur erzählen. Und das nicht primär deshalb, weil er wirklich lustig,
sehr schwierig oder vierfach ist, sondern weil sie ihn selbst gemacht
haben.
Es kann natürlich sein, daß er sich bei näherer
Betrachtung zusätzlich noch als wirklich lustig, sehr schwierig oder
vierfach (oder eine beliebige Kombination dieser Attribute) herausstellt
- dann sollten sie unverzüglich in ihrem PC eine Datei namens
SCHÜTTEL.TXT anlegen und mit sich selbst darüber ins Reine kommen, von
welchem ihrer bisherigen Hobbies sie sich als erstes trennen.
ad 2) schlechte Schüttelreime
Ein schlechter Schüttelreim ist jeder Schüttelreim,
der
-nicht wirklich lustig
-nicht schwierig
-kein Vierfacher und
-nicht von einem selbst ist.
Bleibt nur noch die (berechtigte) Frage, wieso ich in
meinem Buch ein Kapitel mit schlechten Schüttelreimen angelegt habe.
Nun, nachdem sich ursprünglich alle Reime im ersten Teil des Buches
befanden, habe ich (ein beliebter Trick beim Korrekturlesen) das ganze
Manuskript einmal so zu lesen versucht, als ob es nicht von mir
wäre.Nach einer kurzen AUSSCHNEIDEN-EINFÜGEN-Kombination in meinem
Textverarbeitungsprogramm fanden sich auf einmal alle Reime im zweiten
Teil wieder, was ja auch kein haltbarer Zustand war. Schließlich
betrachtete ich sie solange abwechselnd als meine eigenen und als
fremde, bis nur mehr wirklich lustige, schwierige und vierfache
Schüttelreime im ersten Teil verblieben. Und falls sie, verehrte/r
LeserIn, dennoch einen, mehrere oder alle Reime lieber im zweiten Teil
wiederfinden würden, kann ich mir zumindest einreden, daß sie ihnen nur
deshalb nicht gefallen, weil sie eben nicht ihnen selbst eingefallen
sind.

|