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Gehn kleine Zeisslein?

Zehn kleine Geisslein
    sich auf das Essen freun’,
Der Wolf denkt: "s’bleiben auch nachdem
   
ich eines fresse, neun."

 

Neun kleine Geisslein
   
fühl’n sich als eine Macht,
der Fuchs sagt sich: "genug wärn auch-
   
so wie ich meine – acht."

 

Acht kleine Geisslein
   
süss wie die Lieben sangen,
für ein Septett, laut Jägersmann,
   
müssten auch sieben langen.

 

Sieb’n kleine Geisslein
   
sehn eine satte Hex-
als Nachspeis’ geht noch eines rein,
   
somit man hatte sechs.

 

Der Fleischhauer liebt seine Frau,
    gibt Gutes ihr und Feines-
auch Ziegenleberkäs, deshalb
   
gibts nur noch vier und eines.

 

Dies eine frönt am Badesee
   
zuviel dem faden Bier,
als Nichtschwimmer – so zählt man nur noch
   
nach dem Baden vier.

 

Die Köchin fragt vier Geisslein,
   
wem denn nach Drehen sei –
eines zeigt auf, der Fleischwolf dreht sich,
   
und wir sehen drei.

 

Der Pfarrer bringt ein Opferlamm
    und legt noch Zwiebel bei,
es bleiben nach den Ostermahl
    - gemäss der Bibel – zwei.

 

Der Messner nimmt der Geisslein eins
    und sagt: “Ich esse meines
dann später“, somit zähln’ wir nach
   
der Abendmesse eines.

 

Ein kleines Geisslein
   
kann nur in Einzahl mähn’-
doch wenn man’s teilt, dann sättigts als
   
Kotelett auf einmal zehn!

 

 

Faust

Sezierte auch nebst Darm er Ohr,
blieb Faust doch stets ein armer Tor.
Mephisto, heisst es, töte gut-
was letztlich er - laut Goethe - tut.

Zuvor noch liebt das Gretchen Faust,
am Spinnrad ihr vorm Fädchen graust,
der Faust ohne Erbarmen wettet,
dass Gretchen er im Warmen bettet.

Da er aus eigner Sicht es wähle,
gehört des armen Wichtes Seele
dann nach dem liebestollen Rausch
dem Teufel – welch ein Rollentausch!

Ein Weib braut aus Gewächsen Harze,
verbirgt damit die Hexenwarze,
sie bleibt auch keinem Pudel fern,
und spricht von feinem "Pudelkern",
studiert manch Echsen, einmal Heinz-
das ist das Hexeneinmaleins!

Nachdem man Faust im Bistro fing,
man gleich ihn zu Mephisto bring:
das End’ schreib ich beizeiten, weil
ich niemals las den Zweiten Teil.  

Schreibt Goethe so leger Gedichte,
heisst die Moral von der Geschichte:
Wenn du - wie Götz  - zum Fenster schaust,

entgeht dir unser schönster "Faust"!

 

 

Die Schüttelballade vom Tod

Noch als Student der Sensenmann
oft stundenlang in Mensen sann:
"
Warum, wenn Gott das Geben liebt,
er immer wieder Leben gibt?
Wo doch als Tod ich – neben lähmen -
nichts lieber tu’ als Leben nehmen.

Auch meine Jünger werben still,
bis da und dort wer sterben will,
und lange schon von Seilen hängen,
wo Ärzte noch vom Heilen sängen.
Ganz kampflos ich zwar keinen will,
bevorzugt die, die weinen, kill,
und noch bevor wer stumm verdirbt
durch meine Hand er dumm verstirbt.

Im Erdreich auf mein Lieferzeichen
schmaust bald manch Ungeziefer Leichen,
und oben drückt mit Schmeicheln aus
sein Beileid man beim Leichenschmaus.
Und doch tangiert es keinen, wann
oder wie lang er weinen kann,
denn bald wird jeder weiterhetzen
und ich die Sense heiter wetzen."

schüttelreime