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der blöde:
Hochverehrtes Publikum, heute gibt es eine Weltpremiere, insofern, als dass ich heute abend zum ersten Mal eine Doppelconference mit einem kleinen Monolog eröffnen darf; das heisst, falls das mein Partner nicht vereiteln will und völlig verfrüht... (blickt unsicher zum Bühnenrand) ... in meinen Monolog... hereinplatzt. Aber eigentlich hat er mir fest versprochen, erst auf sein Stichwort hin aufzutreten, und sein Stichwort heute abend lautet... (hält sich gerade noch selbst den Mund zu) 'Mmrmgrr'.
(blickt ängstlich zum Bühnenrand; erleichtert) Insofern sollte also alles nach Plan gehen, solange ich nicht unabsichtlich verfrüht das Wort... (hält sich abermals im letzten Moment den Mund zu) 'Mmrmgrr' ausspreche. (vergewissert sich wieder, dass G noch nicht aufgetreten ist)
Eine weitere Neuheit besteht darin, dass diesmal das einstudierte Manuskript genau nach diesem Satz endet - das heisst, die eigentliche Doppelconference wird dann völlig spontan verlaufen, und dieser Satz wiederum endet mit dem alles entscheidenden Stichwort für den Auftritt meines Partners, der vermutlich bereits hinter der Bühne steht und nur darauf wartet, dass ich laut und deutlich... (nervös und gehetzt) ... Murmeltier!
der Gscheite:
(tritt einige Sekunden später verwirrt auf) Was?!
der blöde:
Was heisst 'was', ich sagte dein Stichwort, 'Murmeltier'.
der Gscheite:
Aber völlig ohne Zusammenhang, du sagtest '...laut und deutlich Murmeltier'.
der blöde:
Ich weiss, ich hab'mich extra bemüht.
der Gscheite:
Nein, du sagtest nicht laut und deutlich 'Murmeltier', sondern 'laut und deutlich Murmeltier'.
der blöde:
(gereizt) Auf welchen Unterschied willst du nun hinaus?
der Gscheite:
Auf... du würdest es ja doch nicht verstehen. Jedenfalls endete dein Satz ohne Prädikat.
der blöde:
Wenn's nur das ist: besonders wertvoll.
der Gscheite:
Was meinst du mit 'besonders wertvoll'?
der blöde:
Naja, Prädikat 'besonders wertvoll'.
der Gscheite:
Nicht so ein Prädikat, ich meine ein Zeitwort.
der blöde:
10 Uhr.
der Gscheite:
Was willst du nun?
der blöde:
Ich sage die Zeit mit einem Wort: 10 Uhr.
der Gscheite:
Um Gottes willen, ein Zeitwort, das gleichzeitig ein Prädikat ist!
der blöde:
Ungar.
der Gscheite:
Wie bitte?!
der blöde:
Prädikat Ungar.
der Gscheite:
Der ist Prälat!!
der blöde:
Als Ausländer?
der Gscheite:
Der Ungar ist kein Ausländer!
der blöde:
Ah, du bist Monarchist?
der Gscheite:
Nein, ich sage nur, der Ungar ist Österreicher.
der blöde:
Das soll der Haider nicht hör'n.
der Gscheite:
Das kann der Haider ruhig hören, immerhin wollte der ja sogar Kärnten aus Österreich ausgliedern.
der blöde:
Kärnten oder die Kärntner?
der Gscheite:
Beides.
der blöde:
Schade. Es ist halt doch immer ein Haken dabei.
der Gscheite:
In der Tat. Kärnten könnte ja wirklich so schön sein, wenn nicht...
der blöde:
...die Kärntner wären.
der Gscheite:
Das sagen die Kärntner übrigens auch von den Italienern.
der blöde:
Dass Kärnten schöner wäre ohne die Italiener?
der Gscheite:
Nein, dass Italien schöner wäre ohne die Italiener.
der blöde:
Das stimmt aber auch.
der Gscheite:
Was, du stimmst zu?
der blöde:
Na hör mal, so ein grosses Land, ausschliesslich voll mit Italienerinnen?
der Gscheite:
Die Italienerinnen wären doch auch weg aus Italien!
der blöde:
Alle in Österreich?
der Gscheite:
Nein... nirgends!
der blöde:
Also wieder ein Haken.
der Gscheite:
Aber davon abgesehen gehören die Italiener einfach nach Italien.
der blöde:
(tut gescheit) Das kann man nämlich schon am Namen erkennen.
der Gscheite:
Richtig. Aber komm mir jetzt bitte nicht mit Irland...
der blöde:
(muss kurz nachdenken) Keine Angst. Obwohl, wenn man von den Anschlägen der IRA liest, könnte man tatsächlich meinen...
der Gscheite:
Aber das ist doch alles in den unterschiedlichen Religionen begründet. Die katholischen Christen wollen halt ihre Auffassung von Nächstenliebe verteidigen, und dazu ist ihnen jedes Mittel recht, auch der Verstoss gegen dieselbe.
der blöde:
Wohingegen die Protestanten ihrerseits die Katholiken in die Luft sprengen, um ihre Auslegung der Nächstenliebe zu behaupten.
der Gscheite:
Jesus muss ja am Kreuz rotieren...
der blöde:
Um welche Achse?
der Gscheite:
Sei nicht so blasphemisch!
der Blöde:
Also hör mal, erstens bin ich nicht blass, und zweitens heisse ich 'Schöberl', und nicht 'Femisch'.
der Gscheite:
Ich finde dich auch weder blass, noch nannte ich dich 'Femisch'; ich bezeichnete dich als Blasphemisten.
der Blöde:
Ich will aber auch kein Blas-Feminist sein - ich bin gegen die Gleichberechtigung, vom Oralverkehr ganz zu schweigen.
der Gscheite:
Um Himmels Willen, du bist ja dümmer als deine eigene Nachgeburt! Von deinen semantischen Problemen einmal abgesehen, wie kannst du nur gegen die Gleichberechtigung sein?
der Blöde:
Also bitte, wenn die Frauen auf einmal alles tun würden, was bisher nur den Männern vorbehalten war...
der Gscheite:
Ja, was wäre dann?
der Blöde:
Dann macht ja überhaupt niemand mehr etwas Sinnvolles!
der Gscheite:
Das stimmt allerdings. Aber deswegen brauchst du trotzdem nicht blasphem... also, nicht gotteslästernd sein.
der Blöde:
Sitzt vielleicht ein Ungar im Publikum?
der Gscheite:
Jetzt nimm dich aber zusammen. Überhaupt, du schuldest mir ja noch einige Erläuterungen über das Murmeltier.
der blöde:
Ich weiss aber nichts über das Murmeltier, das war doch nur dein Stichwort.
der Gscheite:
Es geht also heute gar nicht um Murmeltiere? Was ist dann aber die eigentliche Moral des heutigen Abends?
der blöde:
Ich... (denkt nach) - ich weiss es!
der Gscheite:
Du weißt es?
der blöde:
Genau.
der Gscheite:
Und, wie lautet sie?
der blöde:
Sie lautet: was erhält ein Ungar, wenn er alle Kärntner nach Italien, und alle Italienerinnen nach Kärnten bringt?
der Gscheite:
Na was?
der blöde:
Das Prälat: besonders wertvoll!!
(Blackout)